Pornografie in Japan

Im Japan der 1980er Jahre erlebt Toru Muranishi eine Niederlage nach dem anderen: Sein Job als Vertreter an der Haustür hat keine Zukunft und dann erwischt er seine Frau mit einem anderen Mann. Zertrümmert und niedergeschlagen findet er eine Rettungsleine in einem Plappermaul. Toshi gewährt ihm Einblicke darin, was bei anderen im Bett hinter verschlossenen Türen abläuft. Etwas, das in Japan selbst in Filmen für Erwachsene nicht gezeigt werden darf. Muranishi weckt das Verlangen danach, auch dem Rest der Welt zu zeigen, was an sexueller Selbstfindung möglich ist: Er legt sich mit dem Establishment an, um eine sexuelle Revolution zu beginnen.

Mit Airbrush eingefärbte Genitalien

In Japan, das bis 1854 sehr abgeschlossen blieb, war das Verhältnis zur Nacktheit viel offener als im Westen. Abhandlungen, die sexuelle Handlungen im Detail beschrieben, wurden während der Edo-Zeit oft verkauft und niemand nahm daran Anstoß, dass Männer und Frauen in den Badehäusern gemeinsam nackt badeten. Erst durch den Einfluss der westlichen Welt wurde Nacktheit in Japan zu einem Tabu. 

Der Umgang mit Pornografie in Japan ist anders als hierzulande. Unzensiert dürfen Penisse und Vaginas nicht gezeigt werden. Die Grundlage hierfür bildet der Artikel 175 des japanischen Strafgesetzbuches und ist noch heute gültig. Nach diesem Artikel ist es verboten, obszöne Schriften und Produkte in Verkehr zu bringen. In Deutschland dagegen ist unzensierte Pornografie nur mit einer Altersbeschränkung ab 18 Jahren belegt. Wer in Japan unzensierte Bilder besitzt oder verbreitet, kann von der Polizei festgenommen werden. Seit den 80ern sind hunderte Menschen verhaftet worden. Darstellungen, die den Penis oder die Vagina zeigen, müssen mit Schrumpffolie verpackt oder mit Airbrush schwarz eingefärbt werden. Bis 1991 war es sogar verboten, Schamhaar zu zeigen.

Untergrund-Pornografie

Es gibt in Japan auch ein gedeihendes Genre der Untergrund-Pornografie. Diese werden urabon genannt und ignorieren die vorherrschenden Zensurgesetze. Muranishi und Toshi verkaufen fortan Pornozeitschriften und gründen in Hokkaido ihre eigene Buchladen-Kette, wo sie unter der Hand urabon Magazine verkaufen. Doch ihr Erfolg zieht unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich.

In der Serie „Der nackte Regisseur“ geht es um das Leben des Regisseurs Toru Muranishi, der während des Wirtschaftsbooms der 1980er die Porno-Industrie in Japan revolutioniert hat. Die Serie adaptiert den Roman „Zenra Kantoku Muranishi Toru Den“ von Nobuhiro Motohashi über das Leben des Regisseurs.

Verpixelte Geschlechtsteile, gestellter Sex – davon hatte Murahnishi genug und wollte das ändern. Damit ging er ein großes Risiko ein, denn immerhin machte er sich strafbar. Sein Ziel bestand darin, die Menschen beim Sex so zu zeigen, wie sie wirklich sind.

Der nackte Regisseur aktuell auf Netflix zu sehen.

Überdreht, mit expliziten Inhalten gespickt und mit einem eklektischen Soundtrack bewaffnet, leistet Netflix‘ neuestes Drama hervorragende Arbeit und zeigt die Prüfungen und Schwierigkeiten dieser interessanten und rätselhaften Figur.

Titelbild: ©Netflix

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