Sind wir alle unterkuschelt?

Ein zartes Streicheln, eine feste Umarmung oder das Liebkosen. Berührungen sind nicht einfach nur schön – sie sind überlebenswichtig. Wir brauchen Berührungen genauso sehr wie die Luft zu atmen. Längst beschäftigt sich auch die Wissenschaft mit der Frage, was menschliche Berührungen bewirken und kommt dabei zu spannenden Ergebnissen.

Hunger nach Berührung

In Zeiten von sozialen Netzwerken, die das Kontakteknüpfen augenscheinlich vereinfachen, hat Einsamkeit viele Gesichter. Oft handelt es sich um allein stehende Senioren, aber auch junge Menschen, die neu in eine fremde Stadt gezogen sind oder Menschen, die eine Scheidung oder eine schwere Krankheit hinter sich haben, können sich allein fühlen. Wer einsam ist, dem fehlt es an Berührungen. Wissenschaftler sprechen von “Touch Hunger”. Dieser Hauthunger ist das Bedürfnis nach körperlichem Kontakt und Interaktion zu anderen Menschen. Darunter werden nicht nur sexuelle Bedürfnisse verstanden, sondern die körperliche Nähe zu einem Menschen, der einem vergewissert, dass man existiert und nicht allein ist.

Berührungsmangel macht krank

Einer der Ersten, der die Bedeutung von Berührung untersucht hat, war der Psychologe und Verhaltensforscher Harry Harlow. Um Affen für seine Forschung keimfrei aufziehen zu können, isolierte er neugeborene Affen von ihren Müttern. Durch die Trennung von der Mutter zeigten die Affenbabys Entwicklungs- und Verhaltensstörungen oder starben sogar. Untersuchungen an Waisenkinder belegen, dass Kinder, die wenig berührt wurden, an Wachstumsstörungen leiden, und in ihrer emotionalen, geistigen und motorischen Entwicklung stark eingeschränkt sind. Auch ist ihr Immunsystem trotz guter Ernährung und medizinischer Versorgung sehr schwach, sodass überdurchschnittlich viele von ihnen in den ersten drei Jahren starben. In zahlreichen Studien wurde nachgewiesen, dass fehlende Berührungen gesundheitliche Folgen haben kann. „Jedes Säugetier braucht ein gewisses Maß an Berührung, und wenn das lange ausbleibt, kann man an Körper und Seele erkranken“, sagt der Experimentalpsychologe Dr. Martin Grunwald.

Screenshot MDR Wissen Dokumentarfilm: „Sind wir alle unterkuschelt?“

“Sind wir alle unterkuschelt? – Warum wir mehr Berührung brauchen” ist der Titel des Dokumentarfilms von Kerstin Holl. Auf dem Silbersalz-Festival 2019 feierte der Film seine Premiere. Der Dokumentarfilm ist nun in der Mediathek von MDR Wissen abrufbar. Wer zu wenig Berührung erfährt, wird krank. Manche Menschen suchen deshalb gezielt Nähe bei Kuschelparties oder schaffen sich ein Haustier an. Was das für unser Gehirn und unser Wohlbefinden bedeutet, erzählen Anthropologen, Haptik-Forscher und die Mitglieder einer fünf-Generationen-Familie.

Titelbild: © Sahin-Yesilyaprak via Unsplash

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